Systemische Unternehmensführung

Die These

Führungskräfte sind gefordert andauernd Spitzenleistungen zu erbringen. Als Einzelpersonen ist das eine echte Herausforderung und über eine längere Zeitdauer nur sehr schwer möglich. Die Kontinuität in der Erbringung der Spitzenleistung ist nur dann realistisch, wenn die Führungspersonen als Team zusammenarbeiten. Die Fähigkeit eines Unternehmens kontinuierlich Spitzenleistungen zu erbringen, ist also direkt abhängig davon, wie gut sich ein Führungsteam versteht.
Beim Beobachten von Organisation und Unternehmen gewinnt man jedoch oftmals den Eindruck, dass nicht Teams die Unternehmen und Organisationen führen, sondern Einzelpersonen.
Verschiedentlich wurde auch festgestellt, dass sich Führungskräfte oft nur „im eigenen Kreis“ drehen: Die eigene Wahrnehmung ist der Massstab und die Handlungsmaxime und nicht das gemeinsame Teamverständnis als Führungskräfte.

Warum ist dem so

Führungskräfte haben oft nur den eigenen Reflexionskörper – das heisst: Die eigene persönliche Werthaltung. Diese persönliche Werthaltung kann oder muss nicht mit der Werthaltung der Unternehmens übereinstimmen. Ist dies der Fall und ein Unternehmen kommt in Schwierigkeiten, führt dies zu einer heterogenen Sicht der Ereignisse: Denn nur die eigene persönliche Wahrnehmung ist der Massstab, das unternehmerische wird durch das persönliche überdeckt. Trotz Führungsteam wird die Führung zur Einzelaktion. Eigennütziges Handeln und Entscheiden führt zu divergierenden Entscheiden und das gemeinsam verbindende als Führungsteam fällt auseinander. Eine Umfrage bei verschiedenen Unternehmen im Zeitraum März bis Oktober 2003 über Erfolgsfaktoren der Unternehmensführung ergab das folgende Resultat:

Ganzheitlichkeit

Ganzheitlichkeit beim Bewältigen von Führungssituationen heisst, dass der Bezug zum Unternehmensauftrag jederzeit und in jeder Situation gewährleistet sein muss. Die Betroffenen agieren in der Situation nicht losgelöst von der Unternehmung, im Sinne eigener Wertvorstellungen oder Zielsetzungen, sondern agieren im Rahmen der Unternehmensziele und der Unternehmenskultur.

Zielorientiertheit

Zielorientiertheit in der Führung heisst, dass beim Führen immer verständlich ist, welche Ziele durch die jeweilige Führungsaktion erreicht werden und welche Resultate dazu erarbeitet werden sollen. Jederzeit ist die Beziehung und Abhängigkeit zu den obersten Unternehmenszielen begründbar.

Nachvollziehbarkeit

Jede Führungsaktion muss nachvollziehbar sein. Führung geschieht nicht im Geheimen im Stillen sondern im Bewusstsein der Betroffenen und Beteiligten. Führung ist so zu gestalteten, dass sie immer transparent ist.

Kommunikation

Kommunikation wurde in allen Gesprächen als einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren genannt. Durch Nachfragen und Diskussionen wurde die Kommunikation nicht mehr als eigentlicher Erfolgsfaktor bezeichnet sondern als tragendes Element zur Vermittlung von geschäftspolitischen Inhalten.

Die Umfrage hat die wichtigsten unternehmerischen Erfolgsfaktoren deutlich hervorgebracht. Für die Zusammenarbeit im Führungsteam sind das gegenseitige Verständnis der Erfolgsfaktoren und deren wechselseitiger Einfluss auf die einzelne Führungskraft äusserst wichtig. Eine herausragende Unternehmensführung bedeutet, dass die Kommunikation stimmig mit den Erfolgsfaktoren ist.

Die Antwort

Gesucht sind firmenspezifische Führungssysteme, die einen informellen und teilweise formellen Führungsrahmen setzen. Dieser Führungsrahmen basiert auf dem gemeinsam erarbeiteten Werteverständnis des Führungsteams. Beim Gestalten von Führungssituationen stellt der Führungsrahmen nun die gemeinsame wert- und zielorientierte Argumentations- und Handlungsbasis dar.
Dieses ganzheitliche Führungssystem kann nicht von extern vorgegeben werden, sondern wird durch das Führungsteam erarbeitet, abgestimmt und verabschiedet.
Das folgende Bild skizziert ein systemisches Führungsmodell mit vier Führungssystemen:

Der Kristallisationspunkt der vier Dimensionen der Unternehmensführung ist die Geschäftspolitik. Sie ist zudem auch die Ausgangsposition für das Erarbeiten der oben skizzierten Führungssysteme. Im Abgrenzungssystem, Diagnostisches System, Bekenntnis System und Interaktives System werden die Fakten festgelegt, die für die Führung relevant sind.

Im Abgrenzungssystem betrifft dies diejenigen Aspekte, die ein Risiko für das Unternehmen darstellen (nicht erlaubte geschäftliche Aktivitäten, nicht erlaubte Verhaltensweisen),

im Diagnostischen System die Sachverhalte, die unternehmerische Leistung betreffen (Zielsetzungen, Produkte/Dienstleistungen, Projekte, Prozesse),

im Bekenntnissystem die Werte (Verhaltenswerte) und

im Interaktiven System die Ungewissheiten (Ereignisse mit unklarer Auswirkung auf die Organisation).

Die systemische Betrachtung der Führung ist prozessorientiert. Sie berücksichtigt, dass das Führungsverhalten jederzeit im vereinbarten Bezug zur Unternehmung steht. Das heisst: Nicht die Führungskraft gestaltet die Situation nach ihrer persönlichen Lust und Laune, sondern basierend auf dem vereinbarten systemischen Führungsmodell wird die Situation modelliert. Es entsteht eine pragmatische Führung im Rahmen des vereinbarten Führungsmodells. Führung wird somit auf allen Hierarchiestufen als klare und einheitliche Handlungsweise der gemeinsamen Werte des Unternehmens wahrgenommen und erlebt.
Führung heisst: Mutiges gestalten von Situationen. Das Führungsmodell hilft dabei als Raster und Orientierungshilfe zugleich. Alle von der Führung betroffenen und beteiligten Personen erleben die „gleiche“ Führung.

Das Vorgehen

Zusammen mit Moderatoren werden mit der jeweiligen Unternehmensführung firmenspezifische Führungssysteme entwickelt und ein gemeinsames Identitätsbewusstsein und ein unternehmensweites Führungsverständnis erarbeitet. Bei der Einführung werden dann durch das Führungsteam mit Hilfe der vier Führungssysteme (bzw. des Führungsmodells) individuelle Führungssituationen gestaltet, gemeinsam diskutiert und reflektiert. Es ist dabei sehr wichtig, dass das Führungsteam dabei von extern (z.B. Coaching) unterstützt wird oder durch Interim-Management temporär geführt wird.